Professionelle Textüberarbeitung

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Du bist mit deinen Texten nicht zufrieden? Kein Problem, ich ändere das! Dabei begnüge ich mich nicht mit oberflächlichen Schönheitskorrekturen, sondern lese zwischen den Zeilen und fördere selbst das leiseste Potenzial zutage. Wenn du dir einen Eindruck von meiner Arbeit machen möchtest, findest du weiter unten auf dieser Seite einige aussagekräftige Beispiele.

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Artikelnummer: 004 Kategorie:

Beschreibung

Über das Angebot:
Ich biete dir eine komplette Überarbeitung deiner Texte an. Hierbei kann es sich um Blogartikel oder sonstige Webinhalte, offizielle Schreiben, Rohfassungen privater Schriftstücke, Aufsätze, Briefe oder anderweitige Dokumente handeln. Ohne deiner Einsendung die Identität zu nehmen, gehe ich sie Stück für Stück durch und formuliere die Passagen um, in denen ich ungenutztes Potenzial erkenne. Großen Wert lege ich auf ein stimmiges und abwechslungsreiches Gesamtbild sowie eine gute Lesbarkeit des Resultats. Wirf unbedingt einen Blick auf die bereitgestellten Beispiele, um dich von der Qualität meiner Arbeit zu überzeugen.

Der Ablauf:
Wähle zuerst den Umfang der zu überarbeitenden Datei(en) aus und lade diese anschließend hoch. Nun kannst du deine Bestellung in den Warenkorb legen. Ich bitte um Verständnis dafür, dass ich pro Bestellung nur einen Auftrag derselben Art entgegennehme. Bitte bedenke auch, dass sich die einzelnen Bearbeitungszeiten summieren, solltest du unterschiedliche Auftragsarten kombinieren.
Hast du deine Auswahl getroffen, folgt der Bezahlvorgang. Wähle im Warenkorb „Weiter zur Kasse“, um zur entsprechenden Seite zu gelangen. Dort füllst du die erforderlichen Felder aus und entscheidest dich für eine Zahlungsmethode. Wenn alles geklappt hat, erhältst du eine Bestätigung inklusive Bestellübersicht per E-Mail.
Sollte etwas unklar sein, setze ich mich zeitnah mit dir in Verbindung. Ansonsten melde ich mich, sobald ich den Auftrag abgeschlossen habe. Die überarbeitete(n) Datei(en) erhältst du im selben Format wieder, in dem sie hochgeladen wurden. Hast du diesbezüglich einen anderen Wunsch, teile mir das einfach bei der Bestellung mit.

Warum du dich für mich entscheiden solltest:
Seit ich denken kann, liebe ich es zu schreiben. Über die Zeit habe ich einen einzigartigen Stil entwickelt, der meine Werke zu etwas Besonderem macht. Wenn du dich dazu entscheidest, mir dein Projekt anzuvertrauen, kannst du dir sicher sein, dass ich mich voll und ganz darauf einlasse. Anders als heutzutage üblich, stelle ich Qualität nach wie vor eindeutig über Quantität.

Gern darfst du deine Bestellung ohne Umschweife aufgeben. Wenn du allerdings das Gefühl hast, dass wir vorher über das Projekt reden sollten, zögere nicht, mich zu kontaktieren. Auch wenn du noch Fragen hast, darfst du dich gern mit mir in Verbindung setzen. Alternativ kannst du einmal nachsehen, ob du in den FAQ eine Antwort findest.
So oder so – ich bedanke mich für dein Interesse und freue mich auf unsere Zusammenarbeit!

Professionelle Textüberarbeitung

Beispiele

Alle Beispiele lassen sich durch einen Klick auf den Titel ein- oder ausklappen.

Ich finde Ruinen faszinierend. Es mag befremdlich klingen, aber für mich sind die anmutigsten Städte jene, welche dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen sind. Wenn die Natur wieder die Oberhand gewinnt und nach und nach sämtliche Mauern einreißt, zeigt sich das wundervolle Gesicht des Verfalls – Endlichkeit in seiner schönsten Form.

Fragt mich nicht, warum, doch mit lebendigen Städten kann ich eher wenig anfangen. Noch nie bin ich durch belebte Gassen gezogen und habe so etwas wie einen Zauber verspürt. Die Bauwerke können vor Jahrhunderten errichtet worden sein, solange sie aber entweder bewohnt oder genutzt werden, bergen sie für mich keinen Reiz. Die obligatorischen Ausnahmen stellen abseits gelegene Burgen und Schlösser dar. Ich schätze, dass diese schlicht eine grundsätzliche Aura vergangener Zeiten umgibt.

Nun ist es allerdings nicht so, dass ich ausschließlich an der Vergänglichkeit Gefallen finde, denn Vergänglichkeit und Neubeginn gehen Hand in Hand. Der Anblick moosüberwucherter Ruinen löst in mir vielmehr ein Gefühl der Ruhe und der Hoffnung aus. Wenn die Stille einkehrt, kehrt der Frieden wieder. Gleichzeitig fesseln solche Plätze und regen die Vorstellungskraft an.
Wenn ihr euch gerade im Inneren eines Gebäudes befindet, versucht einmal, euch bewusst zu machen, dass auch die Mauern, die euch umgeben, nicht von Bestand sein werden. Es mag Jahre, Jahrzehnte oder Jahrtausende dauern, früher oder später liegen sie jedoch entweder in Trümmern oder am Grunde eines Ozeans … sofern sie nicht mit einem einzigen Schlag vom Erdboden getilgt werden.

Die Ruinen, die verlassenen und vergessenen Orte, die das Antlitz unseres Planeten zieren, erzählen Geschichten. Menschen haben dort gelebt. Es ist nicht leicht, sich das vor Augen zu führen. Das Leben dort hat sich so real angefühlt, wie es das unsere tut – weil es real war. Jede Vergangenheit war einmal die Gegenwart, und auch die Zukunft wird irgendwann vorüber sein. Doch wenigstens bis ans Ende aller Tage wird dem Heute ein Morgen folgen. Und das ist ein erbaulicher Gedanke, oder geht es nur mir so?

Ab wann macht uns das, was wir gerne – und vielleicht noch mit einer gewissen Begabung – tun, zu einem Künstler? Ab wann ist jemand, der malt, ein Maler? Jemand, der schreibt, ein Autor? Ab wann ist jemand, der singt, ein Sänger? Wer bestimmt darüber? Die Kunstpolizei? Und vor allem: Ist das wirklich wichtig?

Meiner Meinung nach werden wir in dem Augenblick zum Künstler, in dem wir beginnen, etwas mit Hingabe zu tun. Sobald es nicht mehr aufzuhalten ist, es quasi aus uns hinausdrängt.

Eigentlich sollte sich Begabung nicht an Öffentlichkeit, Aufmerksamkeit und Lobhudelei orientieren. Schwierig, ich weiß. Zu viele Meinungen zerren an den Herzensprojekten. Auch „je schräger, desto künstlerischer“ sollte nicht der Leitsatz sein. Dennoch habe ich den Eindruck, dass die zeitgenössische Kunst besonders bizarr sein muss, gar hässlich, um überhaupt als solche zu gelten. Je disharmonischer, desto gefeierter.

Das könnte ein gewisser Trost für Menschen sein, die nicht unbedingt den Anspruch haben zu verstören oder ausgefallen zu sein: Geduldet euch noch ein bisschen und ihr seid der Off-Mainstream. Aber zurück zum eigenen Talent.

An erster Stelle steht wahrscheinlich die Erkenntnis, dass man etwas gern macht und es dem Umfeld im besten Fall angenehm oder mit beeindruckender Wirkung auffällt – doch schnell fängt der Kopf an, Fragen zu formulieren: Darf ich das? Kann ich das? Werde ich dafür kritisiert oder bejubelt?

Später kommt dann hinzu: Verdiene ich vielleicht Geld damit? Kann ich mit anderen, die das Gleiche tun, mithalten? Bediene ich die Masse oder eine Nische? Könnte ich mich im Wettbewerb messen? Habe ich ein Alleinstellungsmerkmal, eine Aussage, die weltverändernd wirkt, oder will ich einfach nur unterhalten?

Wie unnötig diese Fragen eigentlich sind … aber der Mensch wird nicht müde, sie sich immer wieder zu stellen. Nichts bringt Musen schneller von ihrer Arbeit ab als Unsicherheit und Angst. Angst wovor eigentlich? Vor der Meinung anderer? Wir werden einfach nicht klüger.

Als Beispiel kann ich meine eigene Geschichte anbringen. Ich habe sehr früh begonnen, Gedichte zu verfassen, zaghafte erste Gehversuche in Sachen „Schreibkunst“. Von der Literaturszene würden sie mit Sicherheit als banal eingestuft werden, als gedankliche Ergüsse eines Teenagers eben. Das ist mir mittlerweile sowas von egal. Ich liebe sie mit Herzblut, sie sind meine Erstgeborenen, die mir den Weg zu ungebremster Schreibfreude und sogar zu einem Buch geebnet haben.

Dazwischen aber habe ich mich gequält. Das Schreiben war blockiert und ich völlig lustlos – bis ich genannte Fragen aus meinen Gedanken gestrichen habe. Ab jenem Zeitpunkt war die Kreativität in mir entfesselt … und die Freude ebenso. Vor allem die.

Schreiberisch habe ich mich mittlerweile ein wenig von der Lyrik entfernt. Bedingt durch die Lust, über das Leben und die Menschen zu philosophieren, hatte ich zu viele Gedanken im Kopf, um sie in gekürzte Versionen pressen zu können. Ich wollte in geschriebenen Worten nachdenken und Geschichten erzählen. Diesmal stelle ich es bloß ins Netz. Lesen darf es jeder, gezwungen wird niemand. Schreiben, nur um des Schreibens willen. Herrlich.

Wer weiß, vielleicht veröffentliche ich irgendwann auch mal ein E-Book. Keimt als kleine Idee und darf als solche in mir hausen. Ich habe einen gedanklichen Vertrag mit mir geschlossen, der besagt, dass ich eines Tages darauf zurückgreifen darf. Ein Zwang besteht allerdings nicht.

Schreibt, malt, singt, spielt und seid mutig, es für gut genug zu befinden! Wir sind nicht erst dann Autoren, wenn wir verkauft werden oder man uns verlegt. Wir sind nicht erst Maler, wenn wir Galerien füllen und die Prominenz auf unseren Vernissagen erscheint. Niemand muss am Burgtheater spielen, um als Ausnahmeschauspieler zu gelten. Kein „Fachmann“ – auch bekannt als „Kulturkritiker“ – soll sich erdreisten zu beurteilen, ob unser Schaffen und Wirken als Literatur oder Kunst durchgeht oder nicht. Alles darf, solange es nicht moralisch fragwürdig wird, der Rest ist einfach Geschmackssache und entzieht sich jeder Bewertung.

Lasst die Menschen einfach selbst entscheiden, ob sie es mögen. Man wird spüren, was ihr mit Liebe macht, was authentisch ist, unverkrampft und frei – und dann habt ihr das Publikum, das euch verdient.

(Ausgangstext: Heidi Kurcsis)

Meine größte Angst war einmal die vor einem nüchternen Leben. Nicht die vor einem geschundenen Körper, einem verkümmerten Geist oder einem vorzeitigen Tod durch Leberversagen, nein, die davor, eines Tages nicht mehr trinken zu können, nicht mehr trinken zu dürfen. Insgeheim wusste ich nämlich, dass das unter keinen Umständen für immer so weitergehen konnte, dass es schließlich unausweichlich werden würde, dem Alkohol zu entsagen. Gerade deshalb wollte ich mein Dasein bis zu jenem Tag nutzen, die wenige Zeit ausschöpfen, die mir geschenkt wurde, und mein Leben in vollen Zügen genießen – Flasche um Flasche, Rausch um Rausch und Kater um Kater; umgeben von einem dichten Nebel, der sich immer dann zu lichten schien, wenn ich anfing, verschwommen zu sehen.

Ich mache kein Geheimnis aus meiner Vergangenheit und doch habe ich es bislang selten so direkt angesprochen. Da mich dieses Thema allerdings auf ewig begleiten wird und mir obendrein sehr am Herzen liegt, habe ich beschlossen, es fortan vermehrt in den Fokus zu rücken.
Es wirkt, als gäbe es kaum etwas, was zum Alkoholismus oder zur Sucht allgemein noch nicht gesagt wurde. Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass dort draußen ganz viel gefährliches Halbwissen und eine Menge dubioser Expertenmeinungen kursieren. Denn während sich die Erfahrungen Betroffener in einigen Aspekten größtenteils decken mögen, variieren sie in anderen so stark, dass ich nur zur Vorsicht raten kann. Ganz so einfach ist das mit dieser Abhängigkeit zumeist gar nicht.

Abhängigkeit ist etwas Subtiles

Ich habe bislang nicht aufgehört zu trinken. Nicht, wenn man es ganz genau nimmt. Ich denke hin und wieder über die hundertprozentige Abstinenz nach, aber das ist nichts, was man heute entscheidet und morgen mal eben umsetzt. Was sich bei mir in den letzten Jahren jedoch verändert hat, ist der Stellenwert des Alkohols. Er ist nicht mehr Mittelpunkt meines Lebens. Früher habe ich täglich getrunken, inzwischen trinke ich mitunter monatelang keinen Tropfen.
Der eine Schluck, der den vermeintlich Genesenen erneut und endgültig in den Abgrund reißt, der Wein in der Bratensoße, der ein unaufhaltsames Verlangen weckt, und der Gang vorbei am Spirituosenregal, welcher einem schlagartig die Kontrolle entzieht und im Delirium endet … all das mag auf wahren Begebenheiten beruhen, aber es stellt nicht die Regel dar. Abhängigkeit ist etwas Subtileres, etwas Hinterlistiges und Schleichendes. Abhängigkeit prügelt dich nicht mit dem Baseballschläger ins Grab, Abhängigkeit verpasst dir regelmäßig kleine Stiche und Schnittwunden und ebnet dir den Weg dorthin – Engelschöre eingeschlossen.

Aufmerksamkeit und Ehrlichkeit sich selbst gegenüber sind deshalb das A und O. Der Kontrollverlust lauert durchaus, doch er ist gut getarnt. Es ist ein Spiel mit dem Feuer und – glaubt mir – ich hasse den Alkohol. Wäre ich (aus welchen Gründen auch immer) gezwungen, die altgediente Redewendung mit dem Gehörnten zu bemühen, müsste ich nicht lange überlegen: Alkohol ist der Teufel. Ja, Alkohol, und nicht etwa Kokain, Methamphetamine oder sonstige Rauschmittel.

Ich bin mir sicher, dass beispielsweise der Konsum von Heroin überwältigende Gefühle auslöst, aber um nichts in der Welt würde ich es ausprobieren. Dafür habe ich zu großen Respekt vor den möglichen Konsequenzen. Mit dem Alkohol würde es sich genauso verhalten, könnte ich die Zeit zurückdrehen und dabei mein jetziges Wissen behalten – das reine Wissen, nicht die Erinnerung. Ich würde nicht nochmal anfangen. Um nichts in der Welt. Ich würde den Ethanolrausch genauso wenig vermissen, wie ich den Heroinrausch jetzt vermisse, und hätte die reine Faktenlage vor mir auf dem Tisch. Eine Faktenlage, die die halbherzige Öffentlichkeitsarbeit im Rahmen heuchlerischer Präventivmaßnahmen schlicht und ergreifend nicht bietet.

Ein wenig Nervengift für den Kreislauf

Alkohol wird verklärt wie keine andere Droge und die Gesellschaft ist nicht daran interessiert, das zu ändern. So wie die Regierung nicht an tatsächlichem Weltfrieden interessiert ist. Mit wirrem Gewäsch von Kultur und Tradition wird versucht, den kollektiven Hang zur Abhängigkeit zu verteidigen, und jeder einzelne Mensch, der in dieser Gesellschaft aufwächst, sieht sich früher oder später damit konfrontiert. Mein größter Respekt gilt jenen, die bereits in jungen Jahren über genügend autarkes Urteilsvermögen verfügen, sich den Verlockungen des sozialkonformen Konsums zu verweigern. Ebenso wie den Erziehungsberechtigten, die fähig waren, ihrem Kind ein solches Geschenk mit auf den Weg zu geben. Gleichzeitig verurteile ich allerdings niemanden, der dazu nicht in der Lage ist oder war. Ich bin es selbst nicht gewesen.

Davon abgesehen ist an einem Gläschen Wein am Abend ja auch nichts verkehrt. Ist nämlich die Menge, die das Gift macht. Selbstverständlich. Ein wenig Nervengift für den Kreislauf hat noch keinem geschadet. Und wie könnte man etwas dagegen haben, wenn es so hervorragend zur Entspannung beiträgt? Außerdem, die Urgroßmutter eines ehemaligen Freundes meiner Schwester hat ihr ganzes Leben lang getrunken. Und die ist 98 geworden.
Ein Glück blieb uns der Stress erspart, eine Geburtstagsfeier zum Hundertsten organisieren zu müssen.

Um ganz im Heute leben zu können, muss man seine Vergangenheit abstreifen und sich von allem trennen, was nicht wirklich von Wert ist. Nur auf diese Weise lassen sich die alten Muster und verkrusteten Strukturen auflösen, die sich über die Jahre in uns angesammelt haben und uns nunmehr blockieren. Wie jedoch schafft man es, seine Vergangenheit loszuwerden – oder zumindest ihre belastenden Anteile? Induzierte Amnesie? Existiert so etwas überhaupt?

Keine Angst, ich habe nicht vor, von Elektroden am Kopf oder toxischen Cocktails zu erzählen; mein Lösungsansatz ist ein ebenso simpler wie ungefährlicher.

Der von mir hochgeachtete Schriftsteller Paulo Coelho ließ diese Methode einen kasachischen Schamanen erklären. So habe ich von ihr erfahren. Wer sie letztendlich erfunden hat, ist mir unbekannt – doch am wichtigsten ist ohnehin, dass sie tatsächlich wirkt. Ja, obgleich ich die Methode für meine Zwecke aus praktischen Gründen ein wenig abgewandelt habe, kann ich das bestätigen. Aber beginnen wir am Anfang.

Um sich weiterzuentwickeln, muss sich der Mensch geistig bewegen. Wenn er allerdings stets sein komplettes bisheriges Leben hinter sich herzerren muss, kommt er entweder nur äußerst mühsam oder überhaupt nicht voran. Das Ablegen des Gewesenen ist also zwingend notwendig, um Platz für Neues zu schaffen und unbeschwert seinem Weg folgen zu können. Wie aber kann man die persönliche Vergangenheit ablegen, seine ureigene Geschichte, wo wir doch alle wissen, wie schwer es fällt loszulassen?

Der Schamane sagt, man müsse laut davon erzählen – immer wieder und bis in die kleinsten Details. Dabei verabschiede man sich von dem, was man einmal gewesen sei und öffne Räume für eine neue, unbekannte Welt. Man solle seine alten Geschichten so lange erzählen, bis sie für einen selbst nicht mehr von Bedeutung seien.

Da stellt sich die Frage, ob man so nicht auch das Risiko eingeht, wichtige Erinnerungen und wertvolle Erfahrungen zu verlieren. Der Schamane verneint das: Die wichtigen Dinge blieben immer erhalten – verschwinden würden nur solche, die wir fälschlicherweise für wichtig erachteten.

Das hat mich nachdenklich gestimmt. In der Tat ist es so, dass wir permanent kostbare Lebensenergie aufwenden, um zu beobachten, zu überwachen und zu steuern, was die Aufmerksamkeit schlichtweg nicht wert ist. Dinge, die vielleicht früher einmal relevant für uns waren, uns heute aber maximal peripher berühren oder unser Leben gar vollends verlassen haben. Das Niederlegen dieser Verhaltensweise stelle ich mir zweifellos als großen Gewinn vor, doch lässt sich so etwas wirklich durch reines Erzählen bewerkstelligen? Und warum laut? Wer sollte das Publikum sein? Und wer ist schon bereit, sein Innerstes vor Publikum nach außen zu kehren?

An dieser Stelle verlasse ich den Weg des Schamanen. Ich sitze nicht des Nachts an einem Lagerfeuer in der kasachischen Steppe und blicke in die erwartungsvoll geöffneten Augen meiner Stammesmitglieder, die nur darauf warten, immer und immer wieder dieselben alten Geschichten zu hören. Nichtsdestoweniger verspüre ich tief in mir das Gefühl, dass an dieser Methode etwas dran sein könnte – etwas, das tatsächlich funktioniert.

Schon vor langer Zeit habe ich an mir selbst ein Phänomen beobachtet, das vermutlich jeder Hirnforscher mit wenigen Worten wissenschaftlich erklären könnte. Ich kann das nicht, doch das ändert nichts daran, dass ich es für mich als ungemein bedeutend erachte.

Es fing damit an, dass ich mein alltägliches Denken genauer unter die Lupe nahm. Da waren zig Stimmen in mir, die munter durcheinanderplapperten, sich stritten, verbündeten und erneut zu streiten begannen. Jede Stimme beharrte auf ihrer Meinung – mal inbrünstig und dominant, dann wieder zurückhaltend und kleinlaut. Manchmal verstummten sie so unvermittelt, wie sie aufgetaucht waren. Konnte es im Kopf eines halbwegs intelligenten Menschen wirklich derart chaotisch zugehen? Und ob es das konnte!

Dann allerdings bemerkte ich Folgendes: Sobald ich versuchte, mich zu artikulieren, verlor das Stimmenchaos an Intensität und eine gewisse Ordnung hielt Einzug. Beinahe so, als müssten sich die Stimmen der einzelnen Gedanken vor dem Sprachzentrum in einer Schlange anstellen und darauf warten, sich zu echten Worten entwickeln zu dürfen. Und dort – am Eingang des Sprachzentrums – schien ein Wächter zu stehen, der nur die wesentlichsten Gedanken passieren ließ und die für brauchbar befundenen obendrein anwies, sich diszipliniert aneinanderzureihen.

Ihr werdet euch jetzt vielleicht fragen, was all das mit dem Schamanen zu tun hat. Nun, ganz einfach: Wer glaubt, im Klartext zu denken, der irrt. Nur das Sprechen sowie das Schreiben erfolgen im Klartext. In diesem Fall bedeutet das, seine Gedanken in einer sinnvollen und wohlstrukturierten Kette aufzureihen und anschließend zu verbalisieren. Kein Vergleich also zur Gedankensuppe, die da sonst quer durch unsere Hirne geistert.

Letztlich soll der Rat des Schamanen nichts anderes bewirken, als dass wir unsere Lebensgeschichte in ebensolch klare Strukturen bringen und den Torwächter am Sprachzentrum seines Amtes walten lassen. Dieser trennt nämlich die Spreu vom Weizen, sprich die wichtigen von den unwichtigen Dingen in unserem Erfahrungsschatz.

Je öfter und intensiver wir das tun, desto deutlicher werden wir den Aufräumeffekt wahrnehmen. Mit einigem Training lässt sich sogar das wilde Geplapper im Kopf abstellen, da wir irgendwann tatsächlich Klartext denken. Anbei bemerkt hat das einen großartigen Nebeneffekt: Denken im Klartext mag zwar anfangs, wenn man noch nicht über ausreichend Übung verfügt, recht anstrengend sein, wird mit der Zeit aber immer einfacher – bis einem schließlich bewusst wird, welche Kraft es zuvor gekostet hat, sich unentwegt mit jenem bunten Stimmenchaos auseinanderzusetzen. An diesem Punkt ist man in der Lage, Neues mit ungekanntem Elan anzugehen oder sich schlicht und ergreifend in völliger Gelassenheit zu entspannen.

Wer mir bis hierher folgen konnte, würde jetzt wahrscheinlich gerne wissen, wo er den geeigneten Platz für sein tägliches Lagerfeuer sowie die passende Zuhörerschaft finden soll. In Wirklichkeit bedarf es jedoch weder eines Feuers noch eines Auditoriums. Der Schamane wählte das laute Sprechen nur, weil er weder Laptop noch Internet kannte, denn die Prozesse, die beim Sprechen und beim Schreiben im Hirn ablaufen, sind sich ganz schön ähnlich: Beides macht von den Funktionen des Sprachzentrums Gebrauch. Wer also nicht sprechen kann – oder wem keiner mehr zuhört –, der kann einfach aufs Schreiben zurückgreifen.

Also los, schreibt eure Geschichten auf, detailliert und immer wieder – so lange, bis euch alles Unwesentliche und Belastende verlassen hat und Platz für Neues geschaffen wurde. Füllt Tagebücher mit Erinnerungsgeschichten, schreibt euren Freunden und Vertrauten, bringt all das zu Papier, was euch in der Vergangenheit beschäftigt hat. Bloggt über euer altes Leben und über das neue gleich mit. Verfasst endlose Mails oder einfach nur Texte für euch selbst. Vertraut euch den Worten an!

„Moment einmal, Texte nur für einen selbst?“, höre ich euch nun fragen – und kann das mit einem deutlichen „Ja!“ beantworten. Ich verrate euch nämlich noch etwas: Natürlich ist es schön, wenn ihr für eure zukünftigen Werke auch Leser findet und mit Feedback rechnen könnt, erforderlich ist das allerdings nicht. Der entscheidende Prozess vollzieht sich in euch selbst, in eurem Inneren. Wichtig ist nur, dass ihr eure Erzählungen detailgetreu und ehrlich gestaltet, keinen Bogen um unschöne Themen macht und auch weniger angenehme Lebensbereiche nicht auslasst.

Ich wünsche euch viel Erfolg dabei!

(Ausgangstext: Frank Schreiner)

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